Trügerische Zahlen über Affiliate-Betrug – ein Ausblick auf die Affiliate Tactixx 2013

Von heiko.lammers in News für Advertiser, News für Publisher am 04/02/2013

Nichts ist so alt wie die Tageszeitung von gestern. In die Online-Welt übersetzt müsste es wohl lauten: „Nichts ist so alt wie der Twitter Feed von vor einer Stunde.“ Und dennoch haben im Internet so manche Nachrichten eine erstaunlich lange Haltbarkeitszeit. Folgend ein Rückblick auf die Affiliate Tactixx 2012 (27.03.12) in München.

„Affiliate in Deutschland: Schwächelnder Markt mit Betrugs-Problem“ – mit dieser Headline startete das Branchenmedium iBusiness in den Fachkongress. Diese lieferte auch gleichzeitig eine Steilvorlage für die Gesprächsrunde „Zukunftstrends im Affiliate Marketing“ mit den Vertretern der großen Affiliate Netzwerke (http://www.ibusiness.de/aktuell/db/353665jg.html ). Der iBusiness Bericht bezog sich auf eine „Studie“ des Brand-Protection-Tool-Anbieters Xamine. Die Kernaussagen der Studie waren deutlich formuliert: Der Affiliate-Markt in Deutschland sei ein Markt, der nach und nach in der Bedeutungslosigkeit versinke, und zudem ein großes Kriminalitätsproblem habe. Denn – so Xamine/iBusiness –

mittlerweile wandert jeder siebte Euro in schwarze Kassen, der im Affiliate-Segment umgesetzt wird.“

Ich möchte an dieser Stelle nicht über Marktzahlen und Marktgröße diskutieren oder darüber, wie nachvollziehbar und belastbar die Herleitung ist. Diese mögliche Zahlenspielerei – so relevant sie auch sein mag – soll nicht das Thema heute und hier sein. Nur so viel dazu: IAB und BVDW arbeiten gemeinsam mit den Netzwerken aktuell in vielen europäischen Ländern (selbstverständlich auch in Deutschland) daran, verlässliche Zahlen über den Affiliate-Markt zu erstellen, denn diese liegen aktuell so gut wie nirgendwo vor.

In diesem Blog-Beitrag soll es um die Grundlage für die Schadensermittlung durch Xamine gehen. Das Unternehmen erläutert sehr ausgiebig ihr Mess-, Analyse- und Bewertungsverfahren unter: http://blog.xamine.com/2012/04/affiliate-betrug-so-rechnen-wir. Hierzu mag sich jeder Leser seine eigenen Gedanken machen, indem er nur die Häufigkeit der Begriffe „Durchschnitt/durchschnittliche“ und „geschätzt/schätzen“ zähle. iBusiness macht sich dazu folgende eigene Gedanken:

„Das Affiliate-Marketing hat ein Betrugsproblem: Mit Hilfe von Xamine hat iBusiness ermittelt, dass knapp jeder siebte Euro aus dem Affiliate-Marketing mit Fraud verdient wird.“

Die Erklärung der „Masche“ klingt dabei sehr einleuchtend:

„Betrüger bauen die Suchmaschinenanzeigen von Brands nach und bieten für die Kopien bessere Klickpreise als die Marke, der ausgelieferten Anzeige wird dann ein Affiliate-Cookie untergejubelt, um die Provision einzustreichen.“

Anschließend wird dann als Beleg aus dem echten Leben ein Beispiel eines Advertisers genannt, der

„statt 384 Euro für SEA, 6.425 Euro für durch Fraud erzielte Affiliate-Provisionen zahlen“

musste.

Um fortzufahren:

„Und die Betrugsquote wächst stark an: Waren vergangenes Jahr noch 18 Prozent der von Xamine beobachteten Brands von Fraud betroffen, so sind es in diesem Jahr 32 – also jede dritte Brand.“

Das Live-Feedback der Branche auf der Affiliate Tactixx 2012 fiel entsprechend – zugegeben wenig verwunderlich – kritisch aus. So dass iBusiness sich zu einem Nachtrag veranlasst fühlte:

Nachtrag: Bei der Podiumsdiskussion auf der Affiliate Taktixx, an der neben iBusiness-Herausgeber Joachim Graf auch Affiliate-Agenturen und die Geschäftsführer mehrerer Netzwerke teilnahmen, wurde von den Branchenvertretern die ermittelten Werte mehrheitlich bestritten. iBusiness wird nun die für die einzelnen Netzwerke ermittelten Studienergebnisse an die jeweiligen Netzwerke weitergeben, damit diese die Daten intern prüfen können. So können wir sowohl die Studienergebnisse verifizieren als auch die Betrüger ermitteln. Denn das gemeinsame Ziel ist eindeutig: Daran zu arbeiten, dass man möglichst allen Affiliate-Betrügern das Handwerk legen kann.“

Ihr Versprechen haben iBusiness und Xamine eingehalten. Ungefähr zwei Wochen später (13.04 2012) erhielt zanox durch den Xamine Geschäftsführer einen „Auszug aus unserer Detailauswertung zur internen Prüfung“. Die Liste enthielt die Ergebnisse der Xamine-Software für AdHijacking bei Google für die zweite Februar-Hälfte (15.-29.02.12).

Auch die Kollegen von affilinet scheinen ihre individuelle Auswertung von Xamine erhalten zu haben – und konnten sich freuen (http://www.affilinet-inside.de/research/affilinet-ist-sicher-und-punktet-bei-qualitat-und-transparenz):

 

„affilinet ist sicher und punktet bei Qualität und Transparenz…“
“Die untersuchten Affiliate Netzwerke erhielten die ermittelten Studienergebnisse zur internen Verwendung. Das Ergebnis das affilinet erhielt war kurz und knapp: Bei affilinet konnte kein Betrug festgestellt werden.“

 

Selbstverständlich hat auch zanox eine interne Prüfung veranlasst. Mit einem sehr eindeutigem Ergebnis: Mehr als 16.000 Zeilen Google Trackingcodes aus dem angegebenen Zeitraum im Februar 2012 wurden in der Auswertung gelistet. Fraud-Alarm bei zanox? Nein, denn die gelisteten Trackingcodes bezogen sich auf Google Kampagnen von drei Unternehmen – die alle direkte Kunden der Hamburger Performance Agentur eprofessional sind (Ergänzung: eprofessional ist als Agentur Teil der zanox Gruppe).

Eindeutiger Fakt ist jedoch: Alle der 16.000 gelisteten Trackingcodes sind SEM-Kampagnen zuzuordnen, die ausdrücklich und durch die Agentur eprofessional bestätigt sowie durch deren Kunden beauftragt und in deren Namen umgesetzt worden sind. Oder in anderen Worten: Es handelt sich vollumfänglich um legales Keyword-Buying durch eine darauf spezialisierte Agentur. Die Trefferquote hinsichtlich Ad Hijacking liegt zumindest bei diesem Datenauszug bei NULL PROZENT. (Ergänzung: Weitere Listen wurden uns auch auf Nachfrage nicht zur Verfügung gestellt.)

Fazit:

  • Betrugsquote affilinet: 0%
  • Betrugsquote zanox: 0%

Und dies sind mit Abstand die zwei größten und wichtigsten Netzwerke in Deutschland.

Warum aber wird jetzt diese alte Geschichte wieder im zanox Blog aufgewärmt?

Ganz einfach, auch fast ein Jahr nach der Veröffentlichung entstehen immer wieder neue Medienberichte, die sich zentral auf diese Studie berufen. Spiegel Online nutzte noch im April 2012 die Studie als Beleg für einen Rundumschlag gegen die Affliate-Branche (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/betrug-mit-affiliate-werbung-auf-porno-und-warez-seiten-a-825196.html):

 

„Seit Ende März gibt es eine als seriös geltende Schätzung, wie viel Schaden da jährlich in Deutschland entstehe: 82 Millionen Euro durch erschlichene Provisionszahlungen für nicht erbrachte Leistungen im letzten Jahr. Geld, das von seriösen Firmen gezahlt wird und allein Kriminellen zugutekommt.“

 

Auch das in der Regel sehr seriöse und gut recherchierende Technik-Magazin t3n setzte im Januar 2013 auf das Affliate-Betrugsthema (http://t3n.de/news/betrug-affiliate-marketing-435746/ ) geht dabei aber stärker auf mögliche Verhinderungsstrategien ein. Zeitgleich griff auch GRÜNDERSZENE das Thema „Betrug im Affliate-Marketing“ auf (http://www.gruenderszene.de/allgemein/betrug-im-affiliate-marketing).

Nun ist es im März wieder so weit: Auf der Affliate Tactixx 2013 trifft sich das Who-is-Who der Branche und diskutiert über die Themen, die uns und unsere Kunden und Partner umtreiben. Und selbstverständlich ist – und das ist auch gut so! – das Thema „Fraud“ mit auf der Agenda. So findet gleich am ersten Konferenztag eine Session dazu statt: „Betrug im Affiliate-Marketing – Ein Aussteiger packt aus“. Dabei sollen aber neben Insider-Einblicken in die Betrugsmöglichkeiten vor allem auch die möglichen und durchaus erfolgreichen Strategien dagegen vorgestellt werden. Am zweiten Tag stellt Xamine im SPEAKERS CORNER vor, wie Unternehmen Betrugsfälle wie „Brand Bidding“ und „Ad Hijacking“ aufdecken können. Wir wünschen den Kollegen eine erfolgreiche Veranstaltung!

Und so bleibt unser Fazit: Nichts ist so haltbar wie Zahlen, die nicht zu halten sind.

Zum Abschluss sei noch mal klar formuliert:

  • Wir stellen nicht in Abrede, dass es grundsätzlich Betrugsmöglichkeiten im Affiliate-Marketing gibt.
  • Für zanox hat die Sicherheit im Netzwerk allerhöchste Priorität! Als Deutschlands Nr. 1 im Performance Marketing setzen wir seit über zehn Jahren auf alle Möglichkeiten der technischen und personellen Sicherstellung von Traffic-Qualität. Diese Haltung teilen wir mit allen relevanten Netzwerken und den entsprechenden Verbänden im deutschen Markt.
  • Deswegen stellen wir uns auch der Diskussion, mit unseren Kunden, auf Veranstaltungen wie der Affiliate Tactixx aber auch den Gesprächen mit und in den Medien.
  • Wir werden in naher Zukunft auf diesem Blog einen Beitrag veröffentlichen, in dem wir unsere Philosophie und Aktivitäten zum Thema „Anti Fraud“ vorstellen werden.

Weiteren Stoff zum Lesen zur Studie finden Sie in der folgenden Linkliste:


6 Responses to “Trügerische Zahlen über Affiliate-Betrug – ein Ausblick auf die Affiliate Tactixx 2013”

  1. Peter Herold Says:

    Hallo,

    nachdem unsere letztjährige Studie durch den Verfasser in Zweifel gezogen wird – was sein gutes Recht zur Sicherung seiner Reputation ist – möchte ich kurz ein paar Punkte richtig stellen…

    Richtig ist definitiv, dass es meßbare und weniger meßbare Faktoren in der Studie gibt.

    Meßbar ist dabei die Zeit, in der eine andere Anzeige als die in einem System hinterlegte Original-Anzeige ausgeliefert wird. Eine entsprechende Abfragefrequenz vorausgesetzt, lässt sich die Zeit in der ein AdHijacker eine Anzeige ausliefert technisch einwandfrei messen.

    Der Schaden entsteht dadurch, dass die Original-Anzeige in der selben Zeit die selben Sales, nur ohne eine Provisionierung erzielt hätte. Die Höhe eines zu ermittelnden Schaden hängt stark von drei Faktoren ab:

    - durchschnittliche Konversionsrate
    - durchschnittlicher Warenkorb
    - durchschnittliche Affiliate Provision

    Oder in Worte gefasst: Wieviele Sales mache ich pro Stunde, und was zahle ich in der Zeit bei einem bestimmten Warenkorb meinem Affiliate als Provision?

    Warum die statistische Ermittlung eines Durchschnitts zur Erhebung einer Marktstudie angegriffen wird weiss ich nicht – es geht ja um ein durchschnittliches Marktbild und nicht um Daten für ein einzelnes Unternehmen.

    Auch Annahmen zu treffen ist – sofern das entsprechend dokumentiert wird – ein legitimes Vorgehen. Wir haben versucht, von den Netzwerken Unterstützung bei der Festlegung der Daten zu erhalten. Wir haben Zanox für 2013 angeboten, unsere diesjährige Studie als Schirmherr zu begleiten – nur um jeden Zweifel im Vorfeld auszuschließen. Leider wurde das Angebot abgelehnt.

    Aber ist es nicht letztlich egal, ob der Schaden nun 60 Millionen, 30 Millionen oder “nur” 15 Millionen beträgt? Es wird ja nicht bestritten, dass ein Schaden / Schadenspotenzial besteht.

    Wären die Erfolge der Affiliate Netzwerke zur Bekämpfung von Fraud wirklich erfolgreich, warum sollten Agenturen wie Endkunden ihre Marken selbst teuer überwachen? Die gelebte Praxis zeigt täglich, dass den Netzwerken Fraud Verdachtsfälle extern gemeldet werden.

    Zum Thema eProfessional spare ich mir jeden Kommentar. Da mag der geneigte Leser denken was er will. Ich sehe ein, dass jetzt Gleichstand zwischen den Netzwerken herrscht, daher möchte ich explizit beide Netzwerke, zanox wie Affilinet nochmals dazu einladen, die nächste Studie aktiv zu begleiten und damit ein für alle Mal für Ruhe um dieses Thema zu sorgen.

    Mit nächtlichem Gruß,
    Peter Herold

    Geschäftsführer
    Xamine GmbH

  2. Mathias Kindt-Hopffer Says:

    Der Fraud geht sicherlich auch andersherum. Oder was haltet Ihr von der “Perormance” Eures neuen Advertisers “lottoland” ?

    Ich habe diesen Advertiser auf Zanox für 12 Tage auf meiner Webseite getestet, mit folgendem Ergebnis:

    Views: 161.270 Klicks: 1.911 Sales: 15 Provision: 15,96 EUR

    Ich denke jeder kann sich seinen Teil dazu denken

    Bei Google adsense hätte ich für 1.911 Klicks mindestens 400,- EUR generiert und innerhalb von 6 Wochen problemlos auf meinem Bank-Konto zur Verfügung gehabt

  3. Betrug im Affiliate-Marketing | Affiliate Marketing Conference Says:

    [...] hat einen aktuellen Blogbeitrag zum Thema Betrug im Affiliate-Marketing [...]

  4. Sind Affiliate Netzwerke betrugsresistent? | Kolumne24.de Says:

    [...] Trügerische Zahlen über Affiliate Betrug… so lautet der neue Blogbeitrag bei Zanox, welches mich heute per Zanox-Advertiser-Newsletter erreicht hat. [...]

  5. Joachim Graf Says:

    Hallo,
    ich habe als Herausgeber von iBusiness mich vergangenes Jahr ziemlich aus dem Fenster gelehnt, weil ich die Indizien von Affiliate-Fraud, die aus der Auswertung ein deutliches Signal für eine Gefährdung der Investitionen der Onlineshops gaben.

    Ich ging davon aus, dass es im Interesse aller Affiliate-Netzwerke sei, entsprechende Tests und Proben durchzuführen. Deswegen wurden den Affiliate-Netzwerken auszugsweise Testdaten zur Verfügung gestellt, um den iBusiness-Beitrag zu verifizieren. Die Reaktion war (um es positiv zu formulieren) deutlich zurückhaltender als noch im Lichte der Messeöffentlichkeit. Auf eine Antwort, die über ein “bei uns ist alles in Ordnung” hinausgeht – also eine technische Antwort, hat uns bis heute nicht erreicht ….

    Zuletzt hat Zanox uns zu Jahreswechsel angekündigt, man wolle den Skandal (skandalös ist nicht der Affiliate-Betrug, sondern die Berichterstattung darüber) öffentlich machen. Auf unser Angebot, gemeinsam eine Erhebung zu machen, warten wir bis heute auf eine Antwort….

  6. Affiliate Auslese März 2013 | Affiliate Marketing Blog - Projecter Says:

    [...] nun schon einmal auf das einstellen, was uns in Zukunft erwartet.   Des Weiteren wird auf dem Zanox Blog mal wieder die Xamine Studie von 2012 aufgewärmt, in der es um Betrug im Affiliate Marketing und die Sicherheit der [...]

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